Autismus kommt bei etwa einem Prozent der Bevölkerung vor und stellt eine tiefgreifende und komplexe neurologische Entwicklungsstörung dar. Autisten verfügen über eine andersartige Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die Auswirkungen auf die Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und des Verhaltens hat. Anders ausgedrückt: Das Gehirn funktioniert bei Autisten anders als bei anderen Menschen. Deshalb bereiten Ihnen manche vermeintlich einfache Dinge große Schwierigkeiten, während sie manchmal schwierige Aufgaben mit Leichtigkeit bewältigen können. Das Besondere an Autisten ist, dass sie ein hohes Qualitätsbewusstsein, eine erhöhte Lerngeschwindigkeit und eine besondere Hingabe zur Routine haben.

Doch Autismus ist nicht gleich Autismus. Es gibt hier ein breites Spektrum. Als Oberbegriff für dieses gesamte Spektrum wird heute in der Wissenschaft der Begriff der „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) verwendet. Das bedeutet, dass zwar alle autistischen Menschen bestimmte Gemeinsamkeiten teilen, jedoch jeder Autist anders ist. Ein Autist hat in der Regel Schwierigkeiten im sozialen Umgang mit anderen Menschen, ist in der Kommunikation und Sprache beeinträchtigt, zeigt wiederholende (stereotype) Verhaltensweisen und ist in seinen Aktivitäten und Interessen recht eingeschränkt. Manche Menschen im Autismus-Spektrum leben ein relativ unabhängiges Leben, andere dagegen benötigen lebenslange Unterstützung. Die kognitiven Fähigkeiten reichen von Intelligenzminderung über normale Intelligenz bis hin zu Hochbegabung. Ebenfalls ist ihr Lernverhalten anders als bei neurotypischen Menschen. Während diese einen neuen Sachverhalt zunächst im Groben und Allgemeinen begreifen, saugen autistische Menschen die Details förmlich in sich hinein. Mit der Zeit wird bei beiden Lernarten der ganze Sachverhalt zwar vollständig verstanden, jedoch aus vollkommen unterschiedlicher Warte aus. Das autistische Lernverhalten ist besonders förderlich für Teams, deren Aufgabe es ist, einen bestimmten Sachverhalt aus möglichst vielen Perspektiven zu betrachten.

Im Folgenden eine Tabelle der markantesten Unterschiede:

Merkmal Neurotypisch Autistisch
Soziale Zusammenhänge erkennen Gut Schlecht
Logische Zusammenhänge erkennen / Mustererkennung Schlecht Gut
Lernvorgang Vom Allgemeinen zum Detail Vom Detail zum Allgemeinen
Routine-Aufgaben Als fade empfindend Als erholsam empfindend

 

Zwar ist Autismus ein Spektrum, jedoch finden sich geringe Unterteilungen ein: Der frühkindliche Autismus, der atypische Autismus und das Asperger-Syndrom. Das Asperger-Syndrom ist eine Form von Autismus. Der Unterschied zu den anderen Autismus-Spektrum-Störungen besteht darin, dass Menschen mit Asperger-Syndrom weniger Probleme mit Sprache oder der kognitiven Entwicklung haben. Ihre sprachlichen Schwierigkeiten liegen ausschließlich im Bereich der sozialen Kommunikation, der Verwendung von Sprache im sozialen Kontext. So haben sie z.B. Schwierigkeiten damit, Gesichtsausdrücke, Körpersprache und den Tonfall zu interpretieren. Die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom besitzen eine normale allgemeine, in Teilgebieten eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz. Hingegen haben sie Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion. So fällt es ihnen schwer, soziale Beziehungen zu initiieren und zu pflegen oder die Gedanken, Gefühle und Handlungen anderer Personen einzuschätzen oder zu interpretieren.

In der Wahrnehmung und Verarbeitung von Umweltreizen und Sinneseindrücken treten auch bei Menschen mit Asperger-Syndrom Besonderheiten auf. Der Grad und die Art der sensorischen Besonderheiten sind von Person zu Person unterschiedlich. Zum Beispiel können grelle Lichter, Lärm, intensive Gerüche oder bestimmte Materialien auf der Haut als unangenehm, schmerzhaft oder beängstigend empfunden werden. Somit kommt es bei Autisten schneller zu Reizüberflutungen. Im Beruf müssen somit gelegentlich reizarme Erholungspausen eingelegt werden.

Menschen mit Asperger-Syndrom entwickeln oft ein intensives Interesse für ein Thema, das sehr speziell sein kann. Sie wissen extrem viel über ihr jeweiliges Interessengebiet und mit etwas Ermutigung kann sich aus diesen Interessen und Kenntnissen eine Karriere entwickeln. Zum Beispiel bei uns, mybiscon.